Im Rahmen ihrer “German Metal Attack” – Tour nahm sich Frontmann Chris Boltendahl von der Band Grave Digger in Regensburg die Zeit für ein kurzes Interview mit unseren Redakteur Christian Schroth:

neuneins.de: 33 Jahre Grave Digger. Ihr habt in dieser Zeit viel erlebt und durchgemacht. Wenn ihr die Möglichkeit hättet das ganze nochmals von vorne zu erleben, würdet ihr es genauso machen, oder was würdet ihr ändern?
Chris Boltendahl: Alles was ich in meiner Karriere mit Grave Digger erlebt habe, sollte auch so verlaufen und hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Ich glaube dass ich auch ein besserer Mensch geworden bin im Vergleich zu dem vor 30 Jahren, eben auch durch meine Erfahrungen die ich gemacht habe. Ich habe sehr viele Business – Erfahrungen erleben müssen, mal schlechte und mal gute und habe daraus meine Erfahrungen gezogen. Somit kann ich auf eine schöne und gute, mit Höhen und Tiefen geprägte, Karriere zurückblicken, auf die ich stolz bin. Und auch eine Karriere die mich zu dem gemacht hat der ich bin und das werte ich sehr positiv und von daher würde ich gar nichts ändern. Im Endeffekt muss man sehen, dass man auch aus negativen Sachen seine Schlüsse ziehen kann. Wenn man schlau ist oder ein reflektierter Mensch ist, dann kann man damit auch was anfangen. Wenn man kein reflektierter Mensch ist dann macht man immer wieder dieselben Fehler. Und da ich mich für einen reflektierten Menschen halte habe ich daraus sehr viel gelernt.

neuneins.de: Gab es in dieser Zeit Events die euch sehr in Erinnerung geblieben sind?
Chris: Da gibt es sehr viele für mich. Aber besonders war für mich zum Beispiel Wacken 2010. Ansonsten gibt es viele Events die je nach Stimmung mal wieder hochkommen und an die man sich gerne zurück erinnert. Deshalb ist es schwer ein Event heraus zu picken. Aber an Wacken 2010 erinnere ich mich gerne.

neuneins.de: Es gibt ja mittlerweile auch viele junge Bands im Bereich des Power/Heavy Metal. Wie schafft man es da neue, vor allem jüngere Fans zu erreichen?
Chris: Man hofft drauf dass die Fans, die schon seit über 20 Jahren dabei, sind Kinder kriegen und diese auf Grave Digger aufmerksam machen. So überlebten wir eigentlich die Generationen. Wir versuchen auch immer durch diverse Aktionen auch jüngere Leute auf uns aufmerksam zu machen. So wie bei der „Power of Metal“ – Tour mit Sabaton und Powerwolf mit einem sehr jungen Publikum. Das war schon teilweise schwierig, aber ich glaube das zahlt sich jetzt auf dieser Tour aus. Wir haben auf den letzen Konzerten schon viele junge Leute gesehen. Wenn man sich immer nur auf das beruft was man kann oder was man denkt was gut ist, dann kann man die Leute nicht erreichen. Wir sind da etwas weitblickender und gucken über den Tellerrand hinaus.

neuneins.de: Ihr habt ja 2011 die Hymne „Wacken will never die“ aufgenommen. Wie kam es dazu? Warum ausgerechnet für Wacken?
Chris: Mit Wacken verbindet uns auch eine gewisse Freundschaft. Auch mit den beiden Machern Thomas und Holger. Wir waren glaub ich 95 oder 96 das erste Mal dabei und seit dem sind wir dort regelmäßig auf der Bühne. Die Idee kam einen Tag nach der Show von 2010, als ich beim Jens, unserem Bassisten, im Auto saß und einen Refrain geträllert habe, der mir gerade in den Sinn kam. Und dann haben wir es den Jungs von Wacken vorgelegt und die fanden es klasse und dann war es relativ schnell im Kasten.

neuneins.de: Euer neues Album ist ja erneut ein Themenalbum. Dieses Mal geht es um die griechische Mythologie. Sind noch mehr Themenalben in diese Richtung geplant?
Chris: Was ich definitiv schon sagen kann ist, dass das neue Album kein Konzeptalbum werden wird. Weder griechisch, noch schottisch oder sonst was. Es wird wieder ein „normales“ Album. Es war jetzt schön und wir haben mit Axel zwei Konzeptalben gemacht aber im Moment steht mir nicht der Sinn mehr danach. Ich habe schon 25 unterschiedliche Songtitel im Kopf, die von den Texten her wieder „Back ot the roots“ gehen. Release wird wahrscheinlich April 2014 sein.

neuneins.de: Seid ihr mit der Fertigstellung eueres neuen Albums zufrieden? Was gefällt euch besonders daran? (Sound, Text, Themen)
Chris: Die Kombination aus Text und Musik bei dem Album ist sehr gelungen und auch die Atmosphäre die das Album schafft. Und ich finde dass der Aspekt der griechischen Mythologie gut zur Geltung kommt, von dem her finde ich nichts Schlechtes an dem Album. In einigen Reviews wurde erwähnt das der Sound etwas schlapp sei. Ich sage, dass er nur dynamischer ist und man die Platte laut hören kann. Wenn man Bands wie Bullet for my Valentine hernimmt, die sehr hoch gemastert sind, dann stinkt das Album zwar ab, aber man kann es wie damals in den 80ern sehr laut hören, wie die LPs damals, und dann klingt das eben sehr dynamisch.

neuneins.de: Gibt es ein Lied auf dem Album das euch mit am besten gefällt?
Chris: Jeder hat so seine eigenen Favoriten. Meiner ist „Death Angel & The Grave Digger“. Ich finde das Album ist einfach gelungen.

neuneins.de: Wie zufrieden seid ihr mit der aktuellen „German Metal Attack“ Tour? Gab es bisher irgendwelche Highlights?
Chris: Die ganze Tour ist schon ein Highlight. Die Idee dahinter war ja einfach mal große deutsche Metal Bands zusammen zu bringen, was mein Plan vor 2 Jahren war. Wir wollten Rage, Gamma Ray, Running Wild und Helloween unter einen Hut bringen mit dem Titel „German Metal Attack“, was mir leider nicht gelungen ist. Und dann dachte ich mir, ich schau mal ne´ Etage tiefer und hab dann Majesty, Wizzard und Gun Barrel gefragt und die hatten richtig Lust darauf. Das Ding kommt super an und man kann in der Presse bzw. im Internet lesen, wie gut es ankommt. Ich hätte es nicht gedacht, dass es so gut funktioniert und ich bekomme da sehr gute Resonanzen. Daher bin ich voll und ganz zufrieden und es wird auch nicht die letzte „German Metal Attack“ – Tour sein.

neuneins.de: Ihr wart nun schon auf sämtlichen Festivals und Veranstaltungen die es gibt, bis auf Summer Breeze. Was für Ziele hat man da noch als Band?
Chris: Ich sag mal so: Ziele hat man immer. Wenn man ziellos durchs Leben latscht kann man sich gleich die Kugel geben. Wir wollen weiterhin gute Alben machen und unsere Fanbase weiter ausbauen. Ich glaube mit der „German Metal Attack“ – Tour sind wir da auf den besten Weg. Die Band ist seit Jahren nicht mehr so motiviert wie heute gewesen. Wir haben ein sehr arbeitsreiches Jahr vor uns mit der neuen Platte und wir proben für die ersten Akustik Shows. Erstmal in Südamerika und wie weit wir das ausdehnen, das haben wir noch nicht entschieden. Es wird viele Shows geben diese Jahr, auch Wacken. Die Zeichen stehen auf volle Kanne voraus.
„Rock in Rio“ wäre noch so was, vor 300 000 zu spielen – ein Ziel, das man aber wohl nicht erreichen kann. Aber es würde gut passen, weil wir da ne große Fanbase haben.

neuneins.de: Noch ein paar Abschlussworte an eure Fans?
Chris: Die „German Metal Attack“ ist die neue aufstrebende Marke in Deutschland und wird auch nach wie vor den deutschen Bands vorbehalten sein. Der Markt an deutschen Metal Bands ist hervorragend und daran will ich weiter mit meiner Idee arbeiten. Im Herbst einen Nachschlag geben, da spielen dann anstelle von Majesty Paragon mit. Das neue Album kommt nächstes Jahr im April und dann wird es im Herbst bestimmt wieder eine neue „German Metal Attack“ – Tour mit drei neuen deutschen Metal Bands geben. Und dann gibt es auch wieder was auf die Glocke!